Programm Mitte Juni - Mitte Juli

Programmheft Mitte Juni - Mitte Juli

SüdOst-Passage Zypern
Ungarn.Art
Unbekannte Bekannte / neznámi známí
Aufgabe Zukunft / Michael Romancov
Ahoj Nachbarn



7. bis 10. Juli
Apothekersgarten (hinter dem Markplatz), der Garten ist bewirtschaftet
Ungarn.Art
Musik, Literatur und Kulinarisches in idyllischer Atmosphäre unter freiem Himmel


MUSIK
Donnerstag, 7. Juli, 19.30 Uhr, Eintritt: 12/8 € (erm.)
Romano Drom
Anti Kovács jr.(guitar, churn, derbuka, spoons, voc), Gojma Kovács (spoons, voc, dance), Joco Balogh (guitar, voc), Csika Rafael (churn, vocal bass, dance), Zoli Orosz (accordion), Laci Molnár (double-bass)

Romano DromRomano Drom aus Budapest wurde von Antal "Gojma" Kovács und dessen Sohn Antal "Anti" Kovács gegründet. Der Vater steuert dem generationsübergreifenden Ensemble die althergebrachten Traditionen der "Olah"-Zigeuner bei, die in der Mitte der 19. Jahrhunderts als Handlungsreisende und Pferdehändler nach Ungarn gekommen waren. Der Sohn greift in seinen Arrangements und Kompositionen Überliefertes auf, verarbeitet in seinen Stücken aber auch Jazzanleihen sowie Elemente der arabischen und spanischen Musikkultur.
Ursprünglich benutzten die "Olah"-Zigeuner nur ihre Stimmen und Haushaltsgegenstände wie Wasserkannen und Holzlöffeln als Instrumente. Die Stimme wird auch heute noch als Melodieinstrument und überaus spielerisch zur Imitierung des Basses eingesetzt. Auch das artistisch und musikalisch eindrucksvolle Spiel mit diversen Haushaltsgeräten blieb erhalten. In den 60er Jahren setzten junge Zigeuner zusätzlich Gitarre, Mandoline und Tambura ein. Internationale Konzertreisen führten "Romano Drom" auf viele bekannte Bühnen und auf Festivals in Europa und den USA.


Freitag, 8. Juli, 19.30 Uhr, Eintritt: 12/8 € (erm.)
Besh o DroM
Ádám Pettik (voc, derbuka, water can), Gergö Barcza (alto sax, ney, shepard´s flute), Attila Sidoo (guitar), Joseph Ciurkui (cimbalon), Péter Tóth (trumpet), László Békési (tenor sax, clarinet), Tamas Zsoldos (bass giutar), Csaba Talabos (tapan, derbuka), Péter Kajdy (sound engineer), Agnes Szaloki (voc)

Besh o DroMDie aus Budapest stammende, futuristische "Wedding Band" Besh o DroM ist eine aus neun Musikern bestehende elektro-akustische Formation, die mit einer Fusion aus traditioneller Romamusik vom Balkan, schnellen Beats und wilden Jazz-Improvisationen eine spektakuläre Wirkung erzielt.
1999 gegründet gruppieren sich die Musiker um die musikalisch sehr erfahrenen und über lange Jahre aufeinander eingespielten Freunde Gergö Barcza und Ádám Pettik. Besh o DroM ist Weltmusik im besten Sinne, ein musikalischer Orkan aus Ost und West, aus Tradition und Moderne, der inzwischen erfolgreich um die Welt tourt.


Samstag, 9. Juli, 19 Uhr, Eintritt frei
Ghymes
Gyula Szarka (Gesang, Kontrabass, Gitarre, Kürbiszither, Fretless Bass, Laute, Chor), Tamás Szarka (Gesang, Violine, Koboz/ Kurzhalslaute, Gitarre, Kontrabass, Fretless Bass, Schlagzeug, Große Trommel, Kürbiszither, Chor), Csaba Kún (Synthesizer, Chor), Sándor Tiba (Schlagzeug, Trommeln), Bori Varga (Alt- und Sopransaxofon, Flöte, Chor), Balázs Neumann (Synthesizer, Große Trommel, Chor)

GhymesDas Ghymes-Ensemble (sprich: Gimesch) wurde 1984 von in der Slowakei lebenden Ungarn gegründet. Nach einer Zeit des "reinigenden Feuers", wie sie es selbst nennen, begannen die sechs Musiker, verschiedene folkloristische Elemente und eigene kompositorische Vorstellungen miteinander zu verbinden - und bald war der ganz eigene "Ghymes-Stil" geboren! Dann wurden die Rhythmen fesselnder, härter und zu Geige, Bratsche, Kontrabass, Laute, Koboz (der Laute verwandt), Tökcitera (Kürbiszither), Tárogató (Schnabelflöte) kamen Saxofon und Schlagzeug hinzu. Es wurde leidenschaftlich improvisiert und bald fand sich Ghymes in der Kategorie der sogenannten World Music wieder. Inzwischen verbindet die Gruppe geradlinigen Rock mit dem ungarischen Musikerbe und dieser Mix gelingt gleichermaßen mühelos wie faszinierend…
Ghymes spielt zum Abschluss des Kulturbazars (14 bis 21 Uhr) des Schwabacher Integrationsbeirates.


LITERATUR
Sonntag, 10. Juli, Eintritt: Tagesticket: 10/8 € (erm.)
11 bis 13 Uhr, Literaturgespräch, 17 bis 20 Uhr, Einzellesungen
Literatur Open-Air

11 bis 13 Uhr
Die große Wende? - György Konrád, Gábor Görgey und Zsuzsanna Gahse
Gespräch mit Wolf Peter Schnetz

Beim Stichwort Ungarn denkt man gern an Paprika, Puszta, Piroschka-Seligkeit und an das legendäre Finale Deutschland - Ungarn bei der Fußball-WM 1954. Aber auch der Volksaufstand 1956 und die Öffnung der Landesgrenzen 1989, die das Ende der DDR und des "Ostblocks" einläutete, sind vielen noch in lebhafter Erinnerung. Seit 2004 ist Ungarn Mitglied der EU. Wie erleben Schriftstellerinnen und Schriftsteller Ungarn vor und nach der Wende? Wie ein Jahr nach dem EU-Beitritt? Welche Auswirkungen hat die "neue" Öffnung nach Westeuropa auf ihre Arbeit, auf Begriffe und Klischees wie Identität, Nation, Globalisierung, Heimat, Freiheit, Unabhängigkeit und was verbindet Ungarn und Deutsche heute miteinander?

17 Uhr
durch und durch
Lesung und Diskussion mit Zsuzsanna Gahse

18 Uhr
Sirene der Adria
Lesung und Diskussion mit Gábor Görgey

19 Uhr
Sonnenfinsternis auf dem Berg
Lesung und Diskussion mit György Konrád


Zsuzsanna GahseZsuzsanna Gahse, Jahrgang 1946 und Tochter ungarischer Eltern, ist Autorin und übersetzt ungarische Literatur ins Deutsche. Die Familie ließ sich nach dem Ungarnaufstand 1956 in Wien nieder, 1969 folgten erste Veröffentlichungen. Von 1989 bis 1993 war sie Lehrbeauftragte an der Universität Tübingen, 1996 Poetik-Dozentin an der Universität Bamberg. Einem größeren Lesepublikum wurde sie durch Übersetzungen der Romane Péter Esterházys, Péter Nádas´ und Miklós Mészölys bekannt. Übersetzen, "zu Diensten sein" will sie aktuell nicht mehr. In ihrem Buch "Übersetzt" schreibt sie: "Durchgreifend und unaufdringlich helfen, im Hintergrund bleiben, das sind frauliche Tugenden …" Zsuzsanna Gahses aktueller Roman "durch und durch" handelt von Müllheim, dem Schweizer Ort, in dem sie seit fünf Jahren lebt. Sie ist Mitglied des deutschen und des schweizerischen PEN-Club und erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen.

Gábor GörgeyGábor Görgey, 1929 in Budapest geboren, gilt als einer der profiliertesten Stückeschreiber und Romanciers Ungarns. Seine Publikationen wurden im In- und Ausland veröffentlicht. Görgey studierte Germanistik und Theologie. Zwischen 1951 und 1953 musste er Budapest verlassen. Görgey war Feuilletonist diverser ungarischer Tageszeitungen, Dramaturg bei Pannonia Film, Künstlerischer Leiter am Nationaltheater Szeged und an der Dt. Bühne Ungarn, Leiter der Kulturabteilung des Ungarischen Fernsehens und zuletzt (2003) Kultusminister der Republik Ungarn. Er ist u.a. Vorsitzender des Ungarischen PEN-Clubs. Gábor Görgey schreibt über seinen neuesten Roman "Sirene der Adria "Ich wollte mit der Schilderung des Schicksals meines vielgeprüften Helden Ádám Topporczy dem einstigen adeligen Ungarn ein Denkmal setzen. Im Jahr 1987, als ich zur Feder griff, konnte ich noch nicht ahnen, dass mein Werk, an dem ich zwölf Jahre lang arbeiten sollte, eine unverhoffte Zugabe (als Geschenk der Geschichte) bekam, den Untergang des sowjetischen Imperiums …".

György Konrád, Foto: Isolde Ohlbaum
Foto: © Isolde Ohlbaum
György Konrád entgeht mit elf Jahren nur knapp der Deportation, nachdem Vater und Mutter verschleppt worden waren. Nach Kriegsende folgt zwar die glückliche Wiedervereinigung mit den Eltern, aber keine politische Atempause, denn Ungarn befindet sich im Umbruch. Hautnah erlebt György Konrád die Wirren der stalinistischen Nachkriegsdiktatur, später den Volksaufstand. Als die KP den jüdischen Intellektuellen mit einem Berufs- und Publikationsverbot belegt, entscheidet er sich trotz schwierigster Umstände für das Bleiben und damit das Schreiben im Untergrund. Sein soeben erschienenes Buch "Sonnenfinsternis auf dem Berg" ist ein beeindruckendes Panorama der ungarischen Geschichte. In knappen Sätzen skizziert György Konrád die Schicksale derer, denen er bei seinen ausgedehnten Budapester Milieustudien begegnet ist und macht uns mit Menschen bekannt, die ihn auf diesem Weg geliebt und begleitet haben. György Konrád wurde 1991 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Von 1997 bis 2003 war er Präsident der Akademie der Künste in Berlin.


Wolf Peter SchnetzWolf Peter Schnetz, Jahrgang 1939, war von 1968 bis 1973 Kulturdezernent in Regensburg und bis 2000 Kulturreferent in Erlangen. Weniger bekannt dürfte seine Tätigkeit im Organisationskomitee der Olympischen Sommerspiele in München 1972 sein. Zuständigkeit: Kultur! Über 40 Bücher, meist Lyrik, Erzählungen und Romane hat Schnetz verfasst, der heute wieder in seiner Heimatstadt Regensburg lebt und arbeitet. Zu seinen zuletzt erschienenen Büchern zählen "Das vergessene Meer" - Erzählungen und neue Gedichte (2002), "Im Jahr der Sphinx - Rückkehr an die Stadt am Strom. Eine Erzählung aus der Erinnerung" (2003) und "Die Früchte des Regenbogenbaums oder: Die Entdeckung des Schweigens" - Gedichte (2004). Schnetz ist u.a. Mitglied im P.E.N., in der Neuen Gesellschaft für Literatur Erlangen sowie im Landesbeirat für Erwachsenenbildung und wurde mehrfach ausgezeichnet.


BUCHVORANKÜNDIGUNG
Das kleine Németkér-Buch
Geschichten und Anekdoten, Lieder und Rezepte aus einer vergangenen Zeit
Herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Schwabach

Das kleine Németkér-BuchNémetkér ist ein kleiner Ort im Tolnauer Land in Ungarn. Zahlreiche deutsche Siedler folgten im 18.Jahrhundert dem Ruf des österreichischen Kaiserhauses, entvölkerte und zurückeroberte Gebiete Ungarns neu zu besiedeln und ließen sich u.a. dort nieder. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschlossen die Siegermächte auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1954), dass die "Überführung", sprich die Ausweisung der deutschen Bevölkerungsteile aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei in "ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen" sollte.

Die Vertreibung vieler ehemaliger Németkérer Bürgerinnen und Bürger endete in Schwabach und Umgebung. Zunächst wohnten die Neuankömmlinge in Lagern; später wurden sie bei Schwabacher Familien und auf Bauernhöfen in Schwabach und der näheren Umgebung untergebracht.

Aufgrund der gemeinsamen Geschichte, die Schwabach mit seinen ehemaligen "Ungarn-Deutschen" verbindet, entstand die Idee, die noch lebenden Schwabacher Zeitzeugen nach Geschichten und Bräuchen, Liedern, Anekdoten und Rezepten zu befragen und diese als kleine Sammlung herauszugeben.
Nähere Infos beim Kulturamt Schwabach